Der Salzland Frauenchor in Staßfurt
Klangschönes Ensemble trägt Namen der Region
Geschäftiges Wuseln am Montagabend im Probenkeller des Staßfurter Salzland Centers. Ständig geht die
Tür. Bis auf eine männliche Ausnahme Chorleiter Dr. Ralf Schubert
betritt eine Frau nach der anderen den
schmalen, langgezogenen und flachen Raum, in dem schon drei Stuhlreihen positioniert sind.
Davor ein elektronisches Klavier und ein Notenpult.
Man begrüßt sich immer herzlich mit einem festen Händedrück, einem freundlichen Lächeln oder sogar mit einer Umarmung. Die Frauen kommen miteinander ins Gespräch,
viele haben sich eine Woche lang nicht gesehen, freuen sich, wieder miteinander sprechen
zu können. Doch wenn Ralf Schubert vor die rund 40 Sängerinnen tritt, wird es mal mehr, mal weniger schnell mucksmäuschenstill.
Spätestens jetzt erkennt der Besucher: Hier probt ein Chor. Der Salzland Frauenchor Staßfurt.
Bevor die Stimmen einsetzen um Stücke zu proben, müssen sie trainieren. Was beim Sport das
Aufwärmen ist, ist für eine Sängerformation das Einsingen. Kräftiges Anstoßen von
Vokallauten und Konsonanten, Atemübungen, aber auch gegenseitige Nackenmassagen.
Von den Frauen ist schon jetzt höchste Konzentration gefordert, bevor gesungen wird,
muss die Stimme sitzen. Und Chorleiter Ralf Schubert ist schon zum ersten Mal beim
Probenabend zufrieden, wenn der Chor nach dem Einsingen gut klingt.
"Das Singen im Chor ist für mich Lebenselixier"
"Das Singen hier im Chor ist für mich Lebenselixier", sagt Hannelore Schlecht.
Die Staßfurterin singt von Kindesbeinen an, machte die Musik sogar zu ihrem Beruf und unterrichtete als
Lehrerin in der Grundschule. Inzwischen genießt Hannelore Schlecht ihren Ruhestand und füllt ihn
mit ihrer großen Leidenschaft, dem Salzland Frauenchor, aus. Sie gehört damit heute zu einem
kleineren, aber nicht unbeachtlichen Teil der Sängerinnen, die das Ensemble seit
seiner "Geburt" kennen, 1991 zu den Gründungsmitgliedern gehörten und seitdem
einen festen Stamm bilden.
Der Entstehung war die Initiative von Elke Fritz vorausgegangen, die spätere Vizevorsitzende und
heutige Ehrenvorsitzende des Chores. Auf einer Familienfeier schlug sie vor, einen Singekreis zu
gründen, kannte sie doch viele Frauen, die den Wunsch hegten, in einem Chor zu singen. Viele
hatten Sängererfahrungen im CAS-Chor gesammelt, der sich nach der Wende aufgelöst hatte,
oder probten mit anderen Chören. Die Zeit des politischen Umbruchs brachte diesen Formationen
größtenteils das Ende. Ein richtig organisierter Chor in Staßfurt fehlte.
Schnell ließ sich Ralf Schubert von der Idee anstecken. Der Musikpädagoge ist heute
Kreischorleiter im "Askanien"Sängerkreis, leitet verschiedene Chöre und
sammelte Dirigentenerfahrung als musikalischer Chef des Frauenchores am ehemaligen Institut
für Lehrerbildung.
Eine Annonce in der Volksstimme machte die Gründungsidee vor 19 Jahren publik und beim ersten
Treffen am 10. Juni 1991 kamen 36 Mädchen und Frauen zur ersten Probe zusammen. Mitte der 90er
Jahre war der Chor sogar auf 60 Mitglieder angewachsen.
Nach einigem Für und Wider wurde auch ein Name für das Ensemble gefunden. Salzland Frauenchor
sollte Identität widerspiegeln und die Heimatregion bekannt machen. "Im schönsten
Wiesengrunde" war das erste Lied, das der Chor einstudierte. "Es gehört bis heute zum
festen Repertoire und alle singen es besonders gern", sagt Hannelore Schlecht.
Inzwischen finden sich in den Notenmappen der Sängerinnen aber nicht nur Volkslieder. Der Chor
deckt ein breites Repertoire ab - Schlager, Musicalsongs, Popmusik, Gospels, Spirituals aber auch
Werke alter Meister - alle mit einem ihnen eigenen Anspruch. Ab und an arrangiert der Chorleiter
auch Stücke und richtet sie für Frauenchor ein, wenn sie seinen Sängerinnen gefallen.
Dass diese Bandbreite möglich ist, wurde Ralf Schubert schon während der ersten Probe bewusst.
"In ihr sangen wir schon einen dreistimmigen Satz", erinnert sich der Chorchef. Der
große Anteil erfahrener Sängerinnen zog die weniger Geschulten mit.
"Mir kommt es auf eine saubere Intonation und auf das Gleichgewicht der Stimmen an"
Inzwischen hat der Salzland Frauenchor ein hohes künstlerisches Niveau erreicht. Das Singen macht
mehr aus, als bloßes Einstudieren vom Blatt. "Mir kommt es auf eine saubere Intonation und auf
das Gleichgewicht der Stimmgruppen an", sagt Ralf Schubert. Der Klang des Frauenchores müsse
viele Facetten abdecken, die Stimmen durchhörbar, aber der Gesamtklang homogen sein. Wichtig, so der
künstlerische Leiter, seien auch dynamische Gestaltung und Aussprache. "Für die Zuhörer
muss etwas rüberkommen, wenn auch unbewusst.
"Der Stil Ralf Schuberts kommt bei den Frauen an. Geduldig aber konsequent, humorvoll aber professionell
leitet er "sein Instrument". Nach 90 Minuten Probe oder nach einem Konzert wissen alle
Sängerinnen um die Schwierigkeit guten Chorgesanges, aber auch um den Spaß der Herausforderung,
einem musikalischen Werk gerecht zu werden.
Für Ralf Schubert Sinn und Grundlage, immer wieder am Klang zu feilen und den Chor auch mit modernem
Repertoire in Berührung zu bringen. Viele englischsprachige Stücke gehören dazu.
Hannelore Schlecht berichtet, das Singen in dieser Sprache sei völliges Neuland für sie, aber
auch viele andere gewesen. "Einige von uns haben sogar extra Kurse in der Kreisvolkshochschule oder
bei der Urania belegt, um wenigstens Grundkenntnisse zu erlernen und der fremdländischen Aussprache
gerecht zu werden. "Zeichen für die Ernsthaftigkeit, mit der die Sängerinnen, die
übrigens nicht nur aus Staßfurt kommen, ihr Hobby -
fast mutet diese Bezeichnung zu schwach an - betreiben.
Um das eigene Können auszuloten und für die permanente Weiterentwicklung nehmen die
Sängerinnen immer wieder an Wettbewerben teil, sogar auf internationaler Ebene. So gab es 2003
eine Reise nach Prag zum Petr-Eben-Wettbewerb. Hier erreichten die Staßfurter das Silberdiplom.
Die Konkurrenz aus ganz Europa und sogar Übersee war groß. 2008 wurde der Salzland Frauenchor
bestes Ensemble seiner Kategorie beim Wertungssingen in Neuenhof-Muldental. Eine Reise nach Prag ist auch
für den Herbst geplant. "Solche Wettbewerbe braucht der Chor, ein Ziel, auf das er zuarbeiten kann,
das motiviert", sagt Ralf Schubert.
"Ehemalige sollen sich hier zu Hause fühlen"
Daneben kommt die Geselligkeit nicht zu kurz, denn auf den alle zwei Jahre stattfindenden Reisen geht es
nicht nur um Musik, manchmal gibt es Fahrten auch nur um des Vergnügens Willen.
So was gehört einfach zu einem Verein, sind sich alle einig.
Hier will der Chor auch in der Zukunft Akzente setzen, denn inzwischen gibt es viele ehemalige
Sängerinnen, die Chor heute als passive Vereinsmitglieder zur Seite stehen.
"Auch sie sollen sich nach wie vor hier zu Hause fühlen", macht Vereinsvorsitzende
Dr. Brigitte Wegener deutlich. Eine andere Aufgabe bleibt die Nachwuchsgewinnung.
Junge Stimmen braucht
vor allem der strahlende Sopran. Doch es fehlt an der Jugend - zu viele verlassen die Region oder haben
kein Interesse am Gesang. Trotz allem oder gerade deshalb öffnet der Salzland Frauenchor die
Probenraumtüren weit und lädt interessierte Frauen ein, bei den Übestunden vorbeizuschauen.
Heute ist es immerhin schon die 647. seit der Gründung.
Wir sind immer auf der Suche nach jungen Mädchen- und Frauenstimmen.
Wenn Ihr Lust und Laune habt bei uns mitzusingen, kommt doch einfach bei einer unserer Proben, immer Monatgs von 19.30 bis 21.00 Uhr, vorbei oder tretet mit uns in Kontakt.